Bildjournalisten

Rund um den Bildjournalismus als Beruf

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DJV - Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

Bagdad

Von Redaktion • 28.05.10 • Thema: Ausland, Fotojournalismus, Hintergrund

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Die schrecklichen Vorkommnisse von Bagdad, bei denen unter anderen die Reuters-Mitarbeiter Namir Noor Eldeen und Saeed Chmagh ums Leben kamen, belegen einmal mehr, dass der Beruf des Kriegskorrespondenten immer gefährlicher wird. Früher waren Reporter noch als neutrale Beobachter geduldet, manchmal sogar respektiert. Wurden sie zum Opfer, dann meist durch Granatsplitter, Flugzeugabstürze oder andere indirekte Kriegseinflüsse. Heute sind sie darüber hinaus immer häufiger das Ziel von direkter Gewalt und ständig bedroht von Entführung, Folter und Tod. Der deutsche Kriegsfotograf Martin Specht bezeichnet als größtes Risiko für den Reporter von heute nicht die Kampfhandlungen als solche, sondern den rechtsfreien Raum, in dem sie stattfinden.

Das Video, das zumindest eine folgenschwere Fehleinschätzung, vielleicht sogar ein Kriegsverbrechen dokumentiert, ist nur schwer erträglich. Der menschenverachtende Zynismus im Funkverkehr der amerikanischen Hubschrauberbesatzungen tut sein Übriges dazu, dass die „Jagdszenen aus Bagdad“, so Beate Lakotta im Spiegel, einen noch im Schlaf verfolgen. Indes wirft die genaue Analyse der Langversion des Videos zahlreiche Fragen auf. In der Begleitung der Reporter sind deutlich schwer bewaffnete Zivilisten erkennbar, auch kann das Verhalten einer der Personen unter Umständen als feindlicher Akt interpretiert werden. Trotzdem erscheint die Reaktion der US-Truppen völlig überzogen und der Verdacht liegt nahe, dass hier geschossen werden wollte. Das zu klären, sollte Gegenstand einer erneuten, eingehenden Untersuchung sein, die jedoch hat das militärische Oberkommando bereits abgelehnt.

Allerdings ist in Bagdad nicht die Presse zum Opfer geworden. Ziel waren hier nicht die Reporter, sondern es waren Menschen, die zu Opfern einer falschen Entscheidung wurden. Hier ein System zu erkennen, hieße vor der Realität heutiger Kriege, bei denen die Zahl der Kollateralschäden die der regulären Opfer bei weitem übertrifft, die Augen zu verschließen. Wenn wir Soldaten zum Töten ausbilden und mit einer demokratischen Legitimation ausstatten, dann ist die Konsequenz der Tod von unschuldigen Menschen und immer öfter von Reportern. Vor allem die Bildjournalisten und Kameraleute sind extrem gefährdet. Nicht nur weil sie oft an „vorderster Front“ arbeiten müssen, sondern auch weil man Kameras leicht mit Waffen verwechseln kann. Diese Problematik ist nicht neu. Magnum-Fotograf René Burri ist das in Kuba passiert und Dave Duncan während des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes.

Die Risiken des Berufes lassen sich zwar nicht ausschalten, aber man kann sie vermindern. Passiver Schutz durch schusssichere Westen, Helme und auffällige Kennzeichnung als Pressevertreter sind Grundbedingung für die Arbeit in Kriegs- und Krisengebieten. Dazu müssen auch die Arbeit- und Auftraggeber ihre Mitarbeiter bindend verpflichten. Denn zur Berichterstattung über Konflikte gibt es keine Alternative, wie gefährlich sie auch ist.

Michael Ebert

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Michael Ebert ist Fotograf. Seit 2008 leitet er zusammen mit Prof. Dr. Renatus Schenkel den neuen Studiengang Bildjournalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal in Magdeburg. Außerdem ist er Lehrbeauftragter für Bildjournalismus an der Fachhochschule in Gelsenkirchen.

Hier klicken, um die Bildserie (Quelle: Wikileaks) abzurufen: bagdad.jpg

Link-Sammlung zum Thema

http://www.collateralmurder.com/en/p-helicopter.html

http://blogs.reuters.com/blog/2007/07/13/namir-noor-eldeen-and-saeed-chmagh/

http://www.nytimes.com/2007/07/13/world/middleeast/13iraq.html?_r=1

http://de.wikipedia.org/wiki/M230_Chain_Gun

http://de.wikipedia.org/wiki/Hughes_AH-64

http://www.thebaron.info/namirnooreldeenandsaeedchmagh.html

http://www.indymedia.org.uk/en/2010/04/448725.html

http://www.sueddeutsche.de/thema/Namir_Noor-Eldeen

http://www.sueddeutsche.de/politik/660/507812/text/

http://www.sueddeutsche.de/politik/718/507870/text/

http://www.sueddeutsche.de/politik/740/507892/text/

http://theonlinephotographer.typepad.com/the_online_photographer/2010/04/namir-nooreldeen-19842007.html

http://www.reuters.com/article/idUSL1617459520070716

http://de.wikipedia.org/wiki/AGM-114_Hellfire

http://www.thebaron.info/namirnooreldeenandsaeedchmagh.html

http://www.tagesschau.de/ausland/wikileak102.html

http://www.tagesspiegel.de/politik/international/medienbeschuss-wird-nicht-neu-geprueft/1785172.html

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