Keine Panoramafreiheit mehr in Berlin-Brandenburg - Schloss Sanssouci für Fotografen gesperrt - Gericht entscheidet gegen Agenturen
Von Redaktion • 21.10.08 • Thema: Fotorecht, Gesetze & Urteile, NewsProfessionelle Fotografen und Agenturen können das Schloss Sanssouci in Potsdam und weitere Liegenschaften in der Zuständigkeit der Schlösserstiftung Berlin-Brandenburg nur noch nach Genehmigung durch die Stiftung fotografieren und verwerten. Ein Rechtsstreit, den die Stiftung gegen die Agentur Ostkreuz führt, geht nach Einschätzung von Juristen zu Lasten der beklagten Agentur und ihrer Fotografen aus. Auf einem Gerichtstermin am 17. Oktober 2008 in Berlin teilte der Richter die Ansicht der klagenden Stiftung, dass die Fotografen und Agenturen nur an einer kommerziellen Nutzung des “Eigentums” anderer interessiert seien. Die Freiheit der Presse werde daher nicht verletzt, wenn die Fotoaufnahmen von einer Genehmigung abhängig gemacht würden. Der Richter meinte auch, es handele sich bei Park Sanssouci nicht um öffentliches Gelände, sondern eben Privateigentum der - gleichwohl öffentlich-rechtlichen - Stiftung. Das Urteil wird erst am 21. November 2008 verkündet, das Ergebnis steht nach diesen Äußerungen aber fest. Ein ausführlicher Bericht findet sich hier.
Der DJV und andere hatten das Vorgehen der Schlösserstiftung scharf kritisiert. Der DJV hat im Rahmen der photokina zahlreiche Unterschriften gegen deren Vorgehen gesammelt und im Internet die Initiative “Pro Panoramafreiheit” eingerichtet, um für das Recht auf freie Fotografie öffentlicher Gebäude und Denkmäler zu werben.





Was bedeutet es in der Praxis für die ganze Branche, wenn das Urteil wirklich zu gunsten der Stiftung geht? Pressefotografen müssen sich akkreddieren, bekommen vielleicht einen Zusage oder Absage. Nach welchen Kriterien werden dann Absagen gestaltet? Welche Bedinungen werden bei einer Zusage mit verbunden? Bestimmt, dass die Bilder nur für Zeitraum X verwendet werden darf, dann nicht mehr, wie man es von Musikern kennt. Oder man darf nur mit Redaktionsauftrag fotografieren, auch bekannt von Konzerten. Dürfen dann Bilder überhaupt in Plattformen wie DPA, DDP oder dem DJV-Bildportal archiviert und den Bildanehmern angeboten werden? Sind nicht alle Fotografen und Agenturen, die sich dann anmelden, an der kommerziellen Nutzung des Schloss Sanssouci interessiert? Wie sieht es mit dem Amatuerknipser aus, der seine Bildern in Plattformen wie Fotocommunity, Imagepoint oder Billigplattformen einstellt aus Spaß am Fotografieren und sich freut, wenn sein Bild für 1 Euro oder weniger abgedruckt wird, nur damit er seinen Namen liest? Wer wird das kontrollieren? Und was noch schlimmer ist, wenn das durchgesetzt wird, werden andere nachziehen. Das heißt, wir Fotografen müssen unseren Bilderbestand bereinigen von Schlössern und Co. Als nächste werden dann wohl andere nachziehen, Aufnahmen von Versicherungsgebäuden, Regierungsgebäuden und dergleichen müssen verschwinden? Na dann Gute Nacht ….
Guten Tag,
> Der DJV und andere hatten das Vorgehen der Schlösserstiftung scharf kritisiert.
> Der DJV hat im Rahmen der photokina zahlreiche Unterschriften gegen deren Vorgehen gesammelt
dazu kann ich [leider] nur folgendes sagen: Also Fotojournalist und Mitglied bei Freelens wollte ich mich „vor Ort“ an dieser Unterschriftenaktion beteiligen, da dieses Thema doch wohl alle angeht – egal in welcher journalistischen Vereinigung man organisiert ist. Dies sah der Kollege am DJV-Stand allerdings anders und meinte, dass dies eine Aktion des DJV ist und nur DJV-Mitglieder daran teilnehmen können. Schade eigentlich …
Schloss Tegel kann ja nicht direkt mit Sanssouci verglichen werden.Dort wohnt der Besitzer mit seiner Familie.
Eigentlich ist das alles eine Unverfrorenheit sondergleichen.
Schloss Sanssouci ist erstens Weltkulturerbe und gehört damit der gesamten Menscheit
und nicht irgendeinem “Privatklüngel”
und zum anderen werden wohl nicht wenige öffentliche Gelder in das Anwesen fließen,
sodass es auch der Öffentlichkeit konsequent zugänglich sein muss. Ich verkenne nicht,
das die Dauerknipserei vieler Zeitgenossen in solch sensiblen Räumlichkeiten ein Problem
sind. Jedoch MUSS es professionellen Fotografen erlaubt sein, für die Öffentlichkeit derartige
Fotos aufzunehmen und auch in das Internet zu stellen. Ich war im Schloss und habe, soweit das
möglich war, einen schönen Film von Potsdam, dem Schlosspark und Schloss gedreht. Nun wollte
ich per Internet, vom Inneren des Schlosses einige Fotos, der Vollständigkeit halber, in den Film
einbinden……leider! Es gibt auch auf der offiziellen Homepage der Stadt keine Fotos von den
Innenräumen des Schlosses.
Auf diese Weise zeigt diese Stadt, wie gleichgültig ihr Gäste und Touristen sind.
Ich werde Potsdam kein zweites Mal besuchen.
Adolf Kühn